Harish

Die muslimische Welt kennt noch ein zweites Einhorn, das

Harish
oder
H’rish

oder

Im al-Qazwînî Manuskript von 1570 erscheint die unverständliche

Form

qws.

Der Babylonische Talmud kennt ein Einhorn, das

krs

genannt und als ”Hirsch des Waldes ‘Ilai” beschrieben wird.

Nimmt man an, daß es sich bei

um ein verschriebenes

qrs handelt, dann sind beide mit dem letzten Teil der

griechischen Worte

rinokeros und

monokeros gleichlautend.

Die arabische Übersetzung des
Physiologus verwendet für den Namen des Tieres, das all die charakteristischen Merkmale des

Harish besitzt, den Namen

daiyâ


Halten es al-Jawharî, Ibn Bukhtîshû und al-Damîrî für das Karkadann, spricht al-Tawhîdî als erster vom Harish als einem anderen Tier: “Es ist ein besonderes kleines Tier von der Größe eines Zickleins oder Lamms und sehr ruhig, aber es hat einen so kräftigen Körper und eine so schnelle Bewegung, daß es einem Jäger entkommt. In der Mitte des Kopfes hat es ein festes gerades Horn, mit welchem es alle Tiere stößt. Nichts kann es unterwerfen. Es ist notwendig, eine List zu gebrauchen, um es zu fassen, zum Beispiel seinen Blick auf eine Jungfrau oder ein junges Mädchen zu lenken. Wenn es sie erblickt, springt es in ihre Arme als ob es beabsichtigen würde, ihre Milch zu säugen, was ein natürliches Zeichen seiner angeborenen Neigung ist. Wenn es in ihre Arme springt, saugt es, obwohl keine Milch in ihr ist, mit so einem Vergnügen an ihrer Brust, daß es mit Trunkenheit überwältigt ist, als hätte es Wein getrunken. Während es in diesem Zustand ist, kommen die Jäger und binden es mit einem Strick fest. Wegen dieses Kunstgriffes bleibt es dabei bewegungslos.” Im Manâfi’ ist es ein schönes Mädchen aus einem Bordell, welches das Tier mit seinen Brüsten verführt. Sie säugt das Tier über eine Stunde und es fällt dann durch die Milch in den Schlaf.

Al-Qazwînî erzählt, daß es meist auf den Hinterfüßen läuft.

Eine Fundgrube besonders für Ausflüge in die muslimische Ikonographie ist
Richard Ettinghausen, The Unicorn