Kirchenväter

In den Schriften der Kirchenväter erscheint das Einhorn als

Symbol des Kreuzes

Symbol Christi

Symbol für Patriarchen, Propheten und Christen

Symbol für die Einheit des Glaubens

Symbol für Stolze, Juden und böse Mächte

Die Bezeichnungen monokeros und rhinokeros, bzw. monoceros, unicornis (unicornus) und rhinoceros für das Einhorn werden nicht unterschieden.

In der christlichen Symbolik wurde das gewaltige Einhorn zum Symbol Christi, des starken Siegers über Tod und Hölle; das heilkräftige Horn desselben wurde zum Sinnbild des Kreuzes. Daß das Einhorn klein von Gestalt ist (Physiologus) , bedeute die Demut Christi; daß es einem Ziegenbock ähnlich ist, versinnbildliche den, der unsere Sünden auf sich genommen hat.

Justin, Dialog mit Tryphon:
Der christliche Philosoph sieht in dem prophetischen Segen des Moses über dem Stamm Joseph: “Sein Horn ist wie die Hörner des Einhorns” (Deuteronomium 33, 17), einen Hinweis auf die Kraft des Kreuzes. Denn die Hörner des Einhornssybolisieren das Kreuz, das wie zwei einem einzigen Horn eingepfropfte Hörner erscheine. Vielleicht war Justin mit Aelian der Meinung, das Einhorn habe drei Hörner bzw. ein in drei Äste vergabeltes Kreuz. Vielleicht sieht Justin schon die Gabelform des griechischen Kreuzes für die des Kreuzes Christi an.

Tertullian, Wider die Juden:
“Seine Zier ist die des Stieres, sein Horn das des Einhorns.” Tertullian bemerkt, Christus werde mit dem Stier verglichen wegen seiner doppelten Ähnlichkeit, da er wild sei gegen die einen als Richter, milde gegen die anderen als Heiland. Die Hörner des Stieres seien die Arme des Kreuzes, das Horn des Einhorns sei der Hauptbalken desselben. Diese Deutung des Einhorns begegnen wir auch bei Isidor, Rhabanus Maurus Euthymius Zigabenus u. a.

Augustin:
Er scheint die Deutung als Kreuz Christi nicht zu kennen. Er deutet das Einhorn einerseits als eine Bezeichnung des Stolzes und des Hochmutes, andererseits als ein Sinnbild für die Verdemütigung Christi.

Petrus von Capua:
“Das Einhorn oder Nashorn ist ein Tier, das nur ein Horn hat und dessen Eigentümlichkeit darin bestehen soll, daß es auf keine Weise gefangen werden kann, außer durch die Umarmung einer reinen Jungfrau: Also wird auch Christus mit Recht ein Nashorn genannt, weil er unter allen Gewaltigen ein einzig dastehendes Horn der Macht hatte und auch er gefangen wurde in der Umarmung einer Jungfrau, von welcher Isaias singt: ‘Siehe die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären.’“ Alanus von Lille erweitert diesen Tropus der Einhornjagd und versieht ihn mit einer scholastischen Erklärung.

Albert der Große
schreibt in seiner mystisch-allegorischen Exegese (De Laud. B. M. V. VI, 10): “Einhörner waren die Juden, welche auf ihr Gesetz äußerst stolz waren; von ihnen stammte Maria, deren Sohn der Eingeborene Gottes war, von dem der Vater bei Matthäus sagt: Dies ist mein geliebter Sohn. Wild und unbändig schien dieses Nashorn (rhinoceros) zu sein, als es wegen eines einzigen stolzen Gedanken Lucifer und seinen Anhang aus dem Himmel, wegen eines einzigen Apfelbisses Adam aus dem Paradiese vertrieb, die ursprüngliche Welt in der Sintflut vertilgte, die Einwohner Sodoms mit Feuer und Schwefel begoß und in der Hölle begrub, ...” Dann aber hat unsere glorwürdige Jungfrau das Einhorn bei sich aufgenommen, den göttlichen Sohn in ihrem reinsten Schoß mit jungfräulichem Fleisch bekleidet. In diesem hat der seiner Gottheit nach Unfaßbare sich fangen lassen von den Jägern, den Heiden nämlich und den Juden, und sich zu freiwilligem Tode ans Kreuz schlagen lassen. Wie in Job 39: Wird das Nashorn dir dienen wollen, daß dasaselbe, wenn es sich gefangen sieht, aus Unwillen stirbt, so sei auch Christus gestorben aus Unwillen gegen die Sünde.
Am Ausführlichsten erschöpft Hugo von St. Victor den Typus des Einhorns, wobei dann allerdings das Einheitliche desselben leidet.

Ein schöner Beitrag besonders zur patristischen Literatur der Einhornjagd ist:
G. M. Drewes S.J., Die Jagd des Einhorns, in
Stimmen aus Maria-Laach, 1892