Kraft des Horns

Bereits auf Ktesias geht zurück, daß das Horn des Einhorns, zu Pulver zermahlen oder als Trinkgefäß, als Mittel gegen Magenkrämpfe, Epilepsie und alle Vergiftungen hilft.

In einer griechischen Handschrift des Physiologus Anfang des 14. Jahrh. wurde der Fanggeschichte ein Bericht von der Wasserentgiftung vorgeschaltet. Im Mittelalter ist die Geschichte von Tieren bekannt, die aus einem See erst trinken, nachdem das Einhorn das von der Schlange vergiftete Wasser gereinigt hat.

Die christliche Tauftheologie wirkte umgestaltend, wenn es heißt, daß das Tier mit dem Horn ein Kreuz in das Wasser schlägt. Das Senken der Osterkerze, welche Christus versinnbildlicht, in das Taufwasser reinigt es und vertreibt das Böse in der gallikanischen Liturgie.

Die Physiologus-Handschrift vergleicht das Horn des Einhorns mit dem Stab des Moses, der das Bitterwasser trinkbar macht.

Johannes Rothe (um 1360 - 1434) deutet das Einhorn auf Christus, der den Jordan entgiftete und den Menschen die Taufe gab.

Der Utrechter Priester Johannes Witte de Hese berichtet in seinem (fiktiven) Reisebericht über eine Fahrt 1389 in das heilige Land: Nach Sonnenaufgang erscheint das Einhorn am Fluß Mara und reinigt das immer wieder von bösen Tieren vergiftete Wasser.
   Vgl. hierzu Exodus 15, 23-25:
   Als sie nach Mara kamen,
   konnten sie das Wasser nicht trinken,
   weil es bitter war.
   Darum hieß der Ort Mara.
   Das Volk murrte gegen Mose und sagte:
   “Was sollen wir trinken?”
   Er aber rief zu Jahwe,
   und Jahwe zeigte ihm ein Holz.
   Als er es in das Wasser warf,
   wurde das Wasser süß.