Sinad

Ein weiteres Einhorn der muslimischen Welt mit laut al-Jâhiz indischem Ursprung ist das Sinâd. Mit dem Karkadann teilt es das sonderbare Merkmal, daß das ungeborene Junge seinen Kopf aus dem Mutterleib streckt, um Nahrung aufzunehmen. Al-Bîrûnî erzählt, daß die Geburt erst stattfindet, wenn das Junge stark genug ist, von seiner Mutter davonzulaufen, denn deren sehr rauhe Zunge würde dem Kalb das Fleisch von den Knochen ablecken. Nach Marvazî ist die Zunge schärfer als eine Feile. Al-Gharnâtî spricht sogar von einem großen Dorn auf der Zunge. Dies könnte auf eine chinesische Quelle zurückzuführen sein, denn Su Sung berichtet im T’u ching pên ts’ao über die rauhe Oberfläche der Zunge des Rhinozeros.

Das Sinâd soll die Gestalt eines Elefanten haben. Auf der Nase sitzt ein Horn, wie es ein Rhinozeros hat, auf der Stirn ein langes, gerades Horn, glatt, ohne die Rillen eines Narwalzahns. Horn, Zähne und Hufe wachsen dem Sinâd erst nach der Geburt.

Eine Fundgrube besonders für Ausflüge in die muslimische Ikonographie ist
Richard Ettinghausen, The Unicorn