Wilhelm v. Österr.

Johann von Würzburg:
Wilhelm von Österreich
 
Nu wellent sich diu maer
enden mit jamers swaer.
wafen, Got, daz ie geschach!
man ainn jaeger maister sach
gan für den hohen fürsten tisch.
er sprach: ‘ich han ain spor vrisch
ietzunt niwe funden
aines tieres daz mit hunden
nieman kan gevellen.
ob wirz nu jagen wellen,
so ahtet umm ain maget rain:
daz tier in den tugenden schain
daz ez sich anders vahen niht
lazt denn swenne ez ersiht
die kiuschen nagt, so ist sin art
daz es sich zuo ir kiusche zart
naiget denne in ir schoz.
ez ist ein ainhürn also groz,
spür ich, als ich in ie gesach.
Wildhelm der fürste sprach:
‘der gesach ich kainen nie.
naina, ratel alle wie
wir den nu gejagen,
daz ich auch möht gesagen
daz ich ir ain het gesehen!’
die herren alle wurden jehen
er schüef an ain magt niht.
‘entriun!’ sprach ainiu ‘ob man mich siht
durch minen herren ez besten,
nach reht müezz ez mir ergen!’
das waz Belfant diu kiusche,
diu nie kain getiusche
von unkiusch in sin gelas,
diu mit Aglyen ie was
gewesen in allen iren noeten,
sie sprach: ‘sölt er mich toeten,
daz wil ich liden willeclich
durch minen herren, den ich
mit miner vrawn erarnet han:
auch hat er güetlich mir getan:
wol uf! ich wil sin berait;
swer ez sumt, daz ist mit lait.’
    Diz gejaegde rich
wart da kostlich
erhaben in die wilde.
Agly daz wiplich bilde
hazzt daz gejaegde;
si sprach zu der maegde:
‘du bist ein toerinne.
war hastu dine sinne
getan? wiltu ain tier dich
lan ertoeten daz sich
niht verstat umm sache kain?
und waerstu aller maegde rain,
zwar, ez nimt dir den lip.’
man sach daz minnecliche wip
Wildhelmen wallen an:
‘naina! triwe und lieber man,
belip! mir ist naiswas vor:
mit inner lieb ich des bekor
betlich an din triwe.

 
 
 
traeum mir groze riwe
machent, die ich lide von dir:
toestu die juncvrawen mir,
daz möht dich riwen ymmer.’
er sprach: ‘nu ergimmer
güetlichen dise vart,
daz ich diner wiphait zart
den worten nymmer nihts versage
di wil ichleben, und la din clage:
wan di mir we unmazzen tuot.
nu, trutes wip, hab  gouten muot!
la mich jagen kutzwil!
nu sint doch dar kum dri mil:
zwar, ich bin balde wider komen.’
ir milter wiplich muot sich drumen
liez von dem zarten;
doch si ez mit jamer harten
erlaubt ims durch die lip sin.
ir munt durch rosen verwen schin
wart dicke geküsset in der rede;
durch letzen si der Minne pfede
an ain bette wanten.
er nam urlaup, di manten
daz er schier kaem wider.
qwe der clage daz si in sider
also jaemerlichen sach!
qwe! ach ach! ymmer ach!
was lones kan diu welt geben
in jamer not nach vraeuden leben!
    Der fürst und sin juncvrawe cluoc
fuorten alles des genuoc
uf daz gejaegde daz ieman
solz zu sölhen sachen han.
mit im uf daz gejaegde rich
vil herren riten, die auch sich
bi im vinden liezzen:
maniger lay schiezzen
man vnder in moht spehen:
der fürst sprach: ‘lat sehen
ob iwer kainsgeschütz
hiut si so nütz
da von daz tier müge vallen!’
sus ward er mit in schallen,
als hoert zu tagaldye.
ich wölt iwer vrau Aglye
gesehen möht die kürzwile.
sus riten si mit sneller ile
in daz walt gebirge hoch;
manigen edeln hunt man zoch
vor in uf des tieres vart:
der selb maister jaeger wart
lan nach dem laithunde,
da sich die vart begunde
niwe spürik aeugen.
der ain hürn sich do zaeugen
war in des waldes veste:
der jaeger maister weste
wol sinen lauf: do sazt er hin
der ich dar umm holt in hertzen bin,
Belfant die schoenen magt.
da wart maisterlich gejagt.

In diesem Minneroman von 1314 findet sich eine eigenartige Einhornjagd, die fern des mariologischen Motivkreises realistisch erzählt wird. Belfant, treue Dienerin der Königin Aglye stellt sich trotz aller Warnungen dem Einhorn, das aber wohl die Spielregeln verlernt hat.