Altäre

Die mystische Einhornjagd war im Mittelalter ein beliebtes Motiv. Das gefährliche Tier läßt sich doch nur einfangen, wenn es den Kopf in den Schoß einer Jungfrau legt. Mit dem Lobgesang des Zacharias: “Gott hat unter uns aufgerichtet ein Horn des Heils” deutete man das Einhorn als Symbol Jesu Christi, die Einhornjagd durch den Erzengel Gabriel als Sinnbild der jungfräulichen Empfängnis Mariens im Hortus Conclusus. Den Einhorndarstellungen verblieb aber eine gewisse erotische Dimension und so mißbilligte diese das Konzil von Trient (1545/63).
So ist neben dem Einhornaltar im Dom zu Erfurt St. Marien der des Klosters Dambeck ein seltenes Stück mittelalterlicher Frömmigkeit. Eine Holztafel unter dem Mittelfeld gibt Auskunft über den Stifter: “Im Jahre 1474 hat Johan Verdemann Probst, hier in Salzwedel, dieses Schmuckwerk errichten lassen mit dem Wunsch, daß es Christus gefällig ist.” Daraus läßt sich vermuten, daß er in einer Salzwedeler Werkstatt hergestellt worden ist. Mitte der 70er Jahre wurde das Kloster aufgegeben und zu einem Lehrlingswohnheim des Volksgutes Büssen. Das Inventar wurde verteilt und so kam der Einhornaltar in die St. Katharinenkirche in Salzwedeler Neustadt.

Dieser Altar veranschaulicht das Wunder der Geburt Jesu Christi, wie sie seiner Mutter Maria in wunderbarer Weise angekündigt wird: Das Einhorn wird von Erzengel Gabriel gejagt, seine vier Hunde stellen die vier Grundtugenden Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Friedfertigkeit dar. Maria befindet sich im umzäunten und verschlossenen Hortus Conclusus, das Einhorn im Schoß. Links die Bundeslade, daneben kniet Aaron vor einem Altar mit 12 Stäben, welche die 12 Stämme Israels symbolisieren. Der mittlere, der Aaronstab für den Stamm Juda, schägt aus. Vor der Darstellung des Libanongebirges ganz links der Brunnenturm, der die Wasser vom Libanon sammelt, zur Mitte hin der Turm Davids mit Schilden, der versiegelte Brunnen und der elfenbeinerne Turm. Vor diesen Turm ein Korb mit Mannabrot. Am rechten Rand kniet Gideon, vor ihm das Wollvlies und Moses kniet vor dem Dornbusch, in dessen Flammen ihm Gott erscheint.

Hier herzlichen Dank an Herrn Metzner von der Kirchengemeinde Alten-Salzwedel, der mich über den Verbleib des Einhornaltars informierte, und an Pfarrer Herrn Beutel für die freundliche Unterstützung.