Teppiche

Die ergreifendsten Einhornabbildungen finden sich auf mittelalterlichen Teppichen. Ein sehr schönes Beispiel hierfür findet sich in der Kirche St. Gotthardt zu Brandenburg. Dieser Teppich ist vermutlich 1470/1480 entstanden und hing seit 1906 an der Nordwand des Altarraumes. Er wurde vermutlich in Lüneburg hergestellt. Ungeklärt ist, wie dieser Teppich in die Gotthardtskirche kam. Diese Art der Teppiche - er ist 5,57 Meter lang und 0,96 Meter hoch - wurde als Rückenlaken über Kirchenbänken zum Schutz vor der Mauerkälte verwandt. Dieser Teppich muß zwischenzeitlich als Altarbehang gedient haben. Hier ein Detail des Teppichs mit der Abbildung des Einhorns:

Herzlichen Dank der Evangelischen Kirchengemeinde St. Gotthard in Brandenbúrg für die Unterstützung!

Detail

Hier ein Überblick über andere sehenswerte Teppiche mit Einhornmotiven:
Am berühmtesten wohl die
Teppichserie “La dame à la licorne - Die Dame mit dem Einhorn” im Musée de Cluny, Paris, oft (miß?-)verstanden als Allegorie der fünf Sinne.
Ebenso berühmt die
Teppichserie “The Cloisters - Jagd auf ein Einhorn”, Metropolitan Museum of Art, New York.
Der Teppich der Legende des Hl. Stephanus, Musée de Cluny, Paris.
Der Teppich “Liebespaar”, Landesmuseum Zürich.
Der “Marienteppich” Marienkirche, Gelnhausen.
Der Teppich “Verkündigung an Maria im Hortus Conclusus”, Landesmuseum, Zürich.
Teppich “Sechs Edelleute mit Fabeltieren”, Historisches Museum. Basel.
Teppich “Wildleute überraschen junge Paare auf der Falkenjagd”, das Teilstück mit dem Einhorn: Kloster Muri-Gries, Bolzano
Teppich “Wildmänner finden Zuflucht bei Fabelwesen”, Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien
Teppich “Sechs symbolische Tiere”, Museum Wartburg Stiftung, Eisenach
Teppich “Vier Wildleute als Wappenträger”, das Einhorn befindet sich leider im großflächig rekonstruierten Teil, ist also nicht authentisch, Historisches Museum, Basel
Teppich “Wildleute begleiten allegorische Tiere”, leider in einer Privatsammlung
Teppich “Wildmann begleitet drei allegorische Tiere”, leider verschollen
Teppich “Allegotische Tiere”, Historisches Museum, Basel
Teppich “Treuegelöbnis und -orakel”, Historisches Museum, Basel
Teppich “Wildweiblein mit Einhorn”, Historisches Museum, Basel
Teppich “Suche nach der Treue”, Schweizerisches Landesmuseum, Zürich
Malterereppich “Weiberlisten”, Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau
“Marienteppich”, Augustinermuseum, Freiburg im Breisgau

Zur Geschichte und Technik mittelalterlicher Teppiche führt das Buch:
Anna Rapp Buri und Monika Stucky-Schürer,
 zahm und wild, Basler und Straßburger Bildteppiche des 15. Jahrhunderts,
Verlag Philipp von Zabern,
umfassend ein. Es fasziniert mich durch seine großformatigen Abbildungen und die ausführlichen Beschreibungen und Erläuterungen zu den Teppichen.