Bergbau

Ernst Schneider , Karlsruhe, wies in den Gmünder Heimatblättern Januar 1955 darauf hin, daß das Einhorn sogar in die Bergbaunamensgebung gedrungen ist, welche stark von Begriffen der Tier- und Pflanzenwelt geprägt ist. Früher sei das Einhorn mit der Generierung der Mineralien in Verbindung gebracht worden. Nach dieser Vorstellung des “Wachsens” des Erzes verdickten sich gewisse Bergsäfte und wurden unter Mitwirkung von Riesen und Einhörnern zu Stein. Den Grubennamen “Einhorn” gab es im Bergrevier Wittichen, Schwarzwald, im harzischen Andreasberg (16. Jh.), im erzgebirgischen St. Michaelis (1582 - 1630) und Hilbersdorf (1602), in Schneeberg (15.-16. Jh.), im schlesischen Silberberg und im böhmischen Joachimsthal (1531).

Die Gemeinde 09627 Hilbersdorf teilte hierzu mit:
Findhilfsbuch 527 S. 13:
Einhorn Fundgrube, Ordnungsnummer 5145,
St. Michaelis, Brand-Erbisdorf
Einhorn Fundgrube, Ordnungsnummer 5346,
Seiffen, Marienberg

Das Sächsische Bergarchiv Freiberg, Kirchgasse 11, 09599 Freiberg, eine Außenstelle des Sächsischen Hauptstaatsarchivs Dresden, fand folgendes:
Einhorn Fdgr. am Wagenbach bei Marienberg, 1539 - 1752
das Huthaus wurde Zechenhäusel genannt und steht auf flacher Halde
Einhorn Fdgr. bei Seiffen, Kr. Marienberg
Einhorn Fdgr. zu St. Michaelis, Kr. Brand-Erbisdorf - 1552 - Ende 17. Jh.
Einhorn Fdgr. zu Hilbersdorf - ab 1602 nachweisbar
Einhorn Stehender (wichtiger Erzgang im Brander Revier)
Einhorn Kunstgraben (zwischen Brand-Erbisdorf und Langenau, eine Anlage der bergmännischen Wasserwirtschaft des 16. Jh., heute nicht mehr erhalten)

Das Museum "Huthaus Einigkeit", 09618 Brand-Erbisdorf, teilt mit, daß die Grube Einhorn in St. Michaelis in ihrer Betriebszeit von 1552 bis 1630 insgesamt 5733 kg Silber lieferte und damit eine der bedeutenden Gruben im Brandner Revier war. Das Huthaus der Grube existiert noch heute. Das Gebiet der Grube kam später zur Grube Matthias. Auf dem dazugehörigen Erzgang "Einhorn Stehender" baute man das Erz bis Mitte des 19. Jahrh. ab. In der benachbarten Grube Himmelsfürst gab es ebenfalls einen Erzgang "Einhorn Stehender".

Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg hatte keine Informationen zur Einhorn-Strecke in Wittichen, übersandte mir jedoch zwei Textstellen zur “Einhorn-Strecke” der Grube “Güte Gottes im Zundelgraben”. Als 1723 ein Erzgang erschürft worden war, richtete man einen Tagschacht im Sandstein ein, 24 m unter dessen Rasenhängebank legte man einen Querschlag nach Nordwesten an, den späteren “Oberen Stollen”, der den Erzgang nach ca. 35 m Länge traf. Hier richtete man später das hauptgesenk ein. Nach weiteren 11 m traf man den Tagschacht. 1727 wurde der mittlere Stollen (der “Schmiedestollen”) nach Westsüdwest über 168 m aufgefahren. Er durchschlug 1729 14 m nordwestlich des Hauptgesenks die Gangstrecke. Entlang des Scharkreuzes der beiden Gänge wurde der Erzfall über mehrere Sohlen, von denen aus Gesenke und Überhauen betrieben wurden, abgebaut. Nach Südosten hielt die Vererzung nur 12 - 14 m an (Elephant, Adler, Weißer Hirsch und Bär), nach Nordwesten über 40 m (Rappen-Ort, Einhorn-Strecken, Liegendes Tigerort, Tiger, Löwe). Das Bärenort lieferte in Richtung Nordwesten nach ca. 72 m Kobalterze mit außergewöhnlich viel gediegenen Wismut, die mittels des 18 m tiefen Löwen-Schachtes abgebaut wurde. Die Grube “Güte Gottes” hatte ihre Blütezeit 1729 bis 1741 und 1789 bis 1815 (mit 80 t Erz). 1847 fiel die Grube endgültig ins bergfreie. Von 1724 bis 1847 förderte die Grube “Güte Gottes“ 951 t Kobalt- und Wismuterze und 34 kg Silber.